"Give it up, Sub-Subs!" (Herman Melville)

Auf der Straße nach San Romano

Die Poesie wird im Bett gemacht wie die Liebe
Dessen zerwühlte Laken sind die Morgenröte der Dinge
Die Poesie wird in den Wäldern gemacht

Sie hat den Raum den sie braucht
Nicht den hier sondern den andern und den bestimmen

Das Auge des Milans
Der Tau auf einem Schachtelhalm
Die Erinnerung an eine angelaufene Flasche Traminer auf einem Silbertablett
Ein Turmalinstock hoch überm Meer
Und die Straße des geistigen Abenteuers
Die senkrecht emporführt
Eine Rast und schon verliert sie sich im Gestrüpp

Das pfeift man nicht von allen Dächern
Es schickt sich nicht die Türen offen zu lassen
Oder Zeugen herbeizurufen

Die Fischbänke und die Meisenhecken
Die Schienen an der Einfahrt eines großen Bahnhofs
Die Spiegelbilder von beiden Ufern
Die Furchen im Brot
Die Blasen in der Gosse
Die Tage des Kalenders
Das Johanniskraut

Der Liebesakt und der poetische Akt
Sind unvereinbar
Mit dem lauten Lesen der Zeitung

Die Richtung des Sonnenstrahls
Das blaue Schimmern das die Axtschläge des Holzfällers miteinander verschmilzt
Die Spur des herz- oder reusenförmigen Spielzeugdrachens
Das rhythmische Klopfen des Biberschwanzes
Die Schnelligkeit des Blitzes
Das Werfen von Mandelbonbons von den alten Stufen herab
Die Lawine

Die Kammer mit den Zauberkräften
Nein meine Herrn das ist nicht die Achte Kammer
Auch nicht die Sonntagabenddünste der Stubengemeinschaft

Die durchsichtig über den Sümpfen getanzten Figuren
Das Abgrenzen eines Frauenleibs von einer Mauer mit Hilfe von Messerwürfen
Die hellen Kringel des Rauches
Die Locken deiner Haare
Die Wölbung des Philippinenschwammes
Die Windungen der Korallenschlange
Der Einbruch des Efeus in die Ruinen
Vor ihr liegt die ganze Zeit

Die poetische Paarung verbietet wie die des Fleisches
Solange sie währt
Jeden Ausblick auf das Elend der Welt

ANDRÉ BRETON                                                                        1948

(Übersetzt von Heribert Becker)